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Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie

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Komplex postraumatische Belastungsstörung

01.02.2018 | Rüdiger Grimm | www.therapiepraxis-grimm.de

Die komplexe posttraumatische Belastungsstörung ist bis heute nicht in der ICD-10 definiert.

 

Allerdings geht diese Belastungsstörung weit über das hinaus, was in der ICD-10 als posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) definiert ist. Da in der ICD-10 noch im DSM-5 die komplexe PTBS als eigenständige Störung ausdefiniert ist, müssen Ärzte und Therapeuten die zugehörigen Symptome einzeln kodieren, ganz so, als wären es unterschiedliche Störungen. Die Praxis zeigt jedoch, dass dieses Störungsbild weit häufiger vorkommt als die im ICD-10 aufgezeigte PTBS.

 

Diese Tatsache hat oftmals weitreichende Konsequenzen für die Betroffenen. Eine Therapie die sich auf einzelne Symptome beschränkt (z.B. Depression, Angst- oder Schlafstörungen), wird dem eigentlichen Krankheitsbild nicht gerecht und führt nicht selten zu keiner oder nur zur geringfügiger Verbesserung der Lebensqualität.

 

Besonders schwere und wiederholt stattgefundene Traumatisierungen, wie sie z.B. infolge psychischer, körperlicher und sexueller Gewalt oder Vernachlässigung vorkommt, verursachen dann erhebliche Beeinträchtigungen für das weitere Erleben, Denken und Fühlen der Betroffenen. Bei vielen Patienten prägt sich ein vielfältiges Beschwerdebild aus, was nur selten als komplexe posttraumatische Belastungsstörung erkannt wird.

 

Folgende Bereich sind zu betrachten

 

Emotionsregulation und Impulskontrolle

 

Oft haben Betroffene erhebliche Schwierigkeiten im Umgang mit belastenden oder unangenehmen Gefühlen wie Ärger, Wut und Trauer. Es gelingt ihnen nicht, die nötige Distanz zu inneren Vorgängen herzustellen um sich selbst zu beruhigen. Entsprechend reagieren sie entweder unverhältnismäßig emotional, zum Teil bis hin zum Kontrollverlust, oder wenden große Kräfte auf um die ihnen bedrohlich erscheinende eigene Emotionalität vor den Mitmenschen zu verbergen. Sind die Betroffenen in ihrer Regulationsfähigkeit überfordert, äußert sich das gelegentlich auch in Wutausbrüchen, fremd- bzw. selbstverletzendem Verhalten oder Selbstberuhigungsversuchen mittels Alkohol und Drogen. Viele Betroffene haben überdies mit starken autodestruktiven Impulsen zu kämpfen, was sich nicht nur durch vorsätzliche selbstverletzende Handlungen bis hin zur Suizidalität, sondern auch durch offenkundige Nachlässigkeit in Sicherheitsfragen äußert. Auch die Vermeidung - oder im Gegenteil das übermäßige bis zwanghafte Ausleben - von Sexualität gehört in diesen Bereich.

 

Veränderungen in Aufmerksamkeit und Bewusstsein

 

Komplex traumatisierte Menschen berichten häufig von Bewusstseinsphänomenen wie dissoziativen Episoden, in denen sich ihr bewusstes Erleben von der Außenwelt zurückzieht. Es bestehen ausgeprägte Erinnerungslücken und Derealisation- und/oder Depersonalisierungserlebnisse, in denen die Umwelt distanziert und wie unwirklich erscheint. Es besteht das Gefühl, "wie neben sich" zu stehen. Andererseits kann es auch zu belastendem Wiedererleben (Flashbacks) traumatisierender Erfahrungen (=intrusiver Erlebnisinhalte) kommen.

 

Veränderungen der Selbstwahrnehmung

 

Viele Betroffene erleben sich selbst als hilflos und haben das Gefühl nur wenig Einfluss auf ihren Lebensverlauf nehmen zu können. Es melden sich oft ausgeprägte Schuldgefühle, selbst in Situationen in denen deutlich ist, dass der Betreffende keine Verantwortung für die Situation zu tragen hat. Viele komplex Traumatisierte fühlen sich isoliert von ihren Mitmenschen und haben aufgrund von Schamgefühlen große Schwierigkeiten sich anderen Menschen so zu zeigen, wie sie eigentlich sind. Zumeist besteht nur ein geringes Selbstwertgefühl und häufig leben Betroffene in der Überzeugung, von niemandem wirklich verstanden zu werden.

 

Veränderte Beziehungsgestaltung

 

Aufgrund ihrer häufig äußerst belastenden Vorerfahrungen im zwischen­menschlichen Bereich, haben komplex Traumatisierte oft große Schwierigkeiten anderen Menschen Vertrauen zu schenken. Viele Betroffene sind deshalb sehr vorsichtig, wenn es darum geht, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Ebenfalls tun sie sich sehr schwer, aufkommende Konflikte auszutragen oder zu bewältigen. Gleichzeitig haben sie nicht selten nur wenig Gespür für die eigenen Grenzen, so dass sie wiederholt in Situationen geraten, in denen sie ausgenutzt oder sogar missbraucht werden. Manche komplex Traumatisierte übernehmen hingegen selbst die Täterrolle und verletzen andere Menschen seelisch oder körperlich.

 

Somatisierungsstörungen

 

Betroffene leiden oftmals unter zahlreichen körperlichen Beschwerden für die meist keine organischen Ursachen gefunden werden können. Das Beschwerdebild kann sehr vielfältig sein und dabei jedes Organsystem umfassen. Nicht selten treten mehrere Symptome gleichzeitig auf. Besonders häufig sind chronische Schmerzzustände, Beschwerden des Verdauungssystems, Erschöpfung, Schwindel sowie Beschwerden im Bereich des Herzens, der Atmung und des Harn- oder Genitaltraktes.

 

Veränderung der Lebenseinstellungen

 

Viele komplex Traumatisierte tragen eine große Verzweiflung und Hoffnungs­losigkeit in sich. Werte, Lebens­einstellungen oder religiöse Überzeugungen die möglicherweise zu einem früheren Zeitpunkt im Leben noch Halt gegeben haben, haben ihre Bedeutung verloren oder ergeben keinen Sinn mehr.

 

Da die komplexe PTBS ein sehr heterogenes Krankheitsbild ist - und bisher in den gängigen Diagnosemanualen ICD-10 und DSM-IV keine bzw. kaum Erwähnung findet, bleibt sie häufig lange unerkannt. Überdies besteht eine hohe Überschneidung mit anderen psychischen Erkrankungen, wie der Borderline-Persönlichkeitsstörung, der nicht-komplexen PTBS, den dissoziativen Störungen, der Depression, sowie Angst-, Panik-, Sucht- und Zwangserkrankungen. Oft werden deshalb zunächst andere Diagnosen gestellt und nur selektiv Therapiert. Dass ein Zusammenhang mit einer Traumatisierung besteht, wird nicht selten erst später erkannt. Die richtige Einschätzung ist jedoch die Voraussetzung dafür, dass komplex traumatisierte Menschen die Behandlung erhalten die sie benötigen. In dem Fall wäre dies eine spezifische und qualifizierte Traumatherapie.

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Letztes Update: 10.02.2018 | 21:10